Sich dem patriarchalen Rollback widersetzen! 

Am 4. und 5. Juli 2026 will die AfD ihren Bundesparteitag in Erfurt abhalten. Gründe, dagegen auf die Straße zu gehen, gibt es viele. Die Partei ist Gravitationszentrum und Motor des sogenannten Rechtsrucks – dabei muss sie gar nicht mal an der Regierung sein, um die hiesige Politik stetig nach rechts zu verschieben. Während ein verrohter Konservatismus der „Mitte“ einen massiven „Kulturkampf“ führt und die Große Koalition in Zeiten der Krise ungehemmt auf die Schwächsten einschlägt, bereiten große Teile der Union mehr oder weniger unverhohlen den Schulterschluss mit der AfD vor. Auch die „Festung Europa“, das mörderische Grenzregime der EU, das allein in diesem Jahr über tausend Tote gefordert hat, wird seit Jahren auf allen politischen Ebenen umgesetzt – völlig ohne Regierungsbeteiligung der AfD. Das zeigt: Der „Rechtsruck“ ist weder nur auf die AfD zurückzuführen, noch ist er ein ruckartiger oder neuer Prozess – er wird durch die AfD und ihre Erfolge nur sichtbarer. Den gesellschaftlichen Resonanzraum für rechte Ideologien gab es also schon davor. Das heißt dennoch nicht, dass nicht alles noch um einiges schlimmer zu werden droht, wenn die AfD tatsächlich bald auch über parlamentarische Mehrheiten verfügen wird.

Gegen die antifeministische Internationale!

Wir rufen mit der Kampagne „Make Feminism A Threat“ dazu auf, den AfD-Bundesparteitag in Erfurt zu blockieren. Denn wenn wir uns dem Vorrücken des neuen Faschismus und seinem organisatorischem Rückgrat, der AfD, widersetzen, dann ist das ein antifaschistischer und ein feministischer Kampf zugleich. Ein einigender Schlachtruf der rechten „Kulturkämpfer“ ist der Antifeminismus. In ihren Reihen finden sich dabei alle von der AfD bis zu christlichen Fundis, von Konservativen bis zu Neonazis. Die antifeministische Internationale bringt alle Reaktionäre zusammen. Als ideologisches Scharnier zwischen diesen Gruppen schafft es der Antifeminismus, faschistische Weltbilder bis in die „bürgerliche Mitte“ hinein zu normalisieren. Dabei nutzen Faschisten wie die AfD den Antifeminismus nicht einfach als zugkräftigen Aufhänger für strategische Allianzen, vielmehr ist er seit jeher Kernbestandteil ihrer Ideologie gewesen. Eine wahlweise biologistisch hergeleitete oder „gottgewollte“ Zweigeschlechtlichkeit wird zur Kategorie einer Platzzuweisung in der Gesellschaft. Damit hat rechte Geschlechterpolitik auch immer einen völkischen, einen nationalen Fluchtpunkt. In der Welt, die den Faschisten vorschwebt, ist Geschlecht klar geordnet und widerspruchsfrei und nimmt eine zentrale Rolle in der Ordnung des „Volkskörpers“ ein; in der heteronormativen Kleinfamilie entscheidet sich mithin das gesamte Schicksal von Volk und Nation.

Dass es diese Ordnung so nie gab und wahrscheinlich nie geben wird, ist irrelevant. Vielmehr ist die Rechte von Verschwörungserzählungen getrieben und kann die Existenz von feministischen Kämpfen und Errungenschaften, alternativen Liebes- und Lebensentwürfen und die Brüchigkeit auch hegemonialer Zweigeschlechtlichkeiten nur über eine niederträchtige woke Hegemonie, über eine „Gender-Lobby“ und moderne Dekadenz erklären. Der gesellschaftliche Umbau gegen diese als Übermacht wahrgenommene „linke“ Herrschaft soll daher vor allem repressiv – im Zweifelsfall über massive Gewalt – erfolgen. Für einen Vorgeschmack, was das bedeuten könnte, reicht ein Blick in die realpolitischen Ankündigungen der AfD: So will die Partei nicht nur Gleichstellungs- und Gewaltschutzmaßnahmen einkassieren, Sexualaufklärung aus den Schulen und sexuelle und geschlechtliche Vielfalt aus der Öffentlichkeit verbannen, sondern sie greift auch massiv und frontal reproduktive Rechte an.

Mausig, atzig, militant – wichtig ist der Widerstand

Gegen diesen patriarchalen Rollback nehmen wir uns am 4. Juli in Erfurt die Straße! Um uns der AfD und dem reaktionären Vormarsch ganz praktisch in den Weg zu stellen. Und um mit Leuten zusammen zu kommen, denen etwas Besseres vorschwebt als der jämmerliche patriarchale Normalzustand der herrschenden Verhältnisse oder die „natürliche Ordnung“ in deren Namen AfD & Co. trans- und queerfeindliche Ausgrenzung und entwürdigende Rollenkorsette in Stellung bringt. Wir wollen jedoch mehr als nur Verteidigungskämpfe führen. Wir wollen eine feministische Welt auf den Trümmern der patriarchalen Ordnung aufbauen.

In diesem Sinne können Aktionen wie widersetzen ein wichtiger Teil antifaschistischer und feministischer Kämpfe sein: Weil sie vielen Menschen vor Augen führen, dass es im Rahmen des Vorstellbaren liegt, die Vereinzelung und Ohnmacht zu überwinden und kollektiv etwas zu reißen. Sie können das aber nur als Teil kontinuierlicher selbstorganisierter Kämpfe sein und nicht als deren Ersatz. Also: Auf nach Erfurt! Bildet euch und andere, bildet Bezugsgruppen, bildet Banden! Sich jeden Tag dem patriarchalen Rollback widersetzen – in Erfurt und überall.

Für eine befreite Gesellschaft jenseits von Patriarchat, Staat und Kapital.

Make Feminism A Threat!

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